Seefeuer


 
Dokumentarfilm, Italien, Frankreich 2016
Regie Gianfranco Rosi

Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik am Beispiel von Lampedusa spür- und begreifbar macht.

Über ein Jahr lang hat sich der Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi auf der italienischen Insel Lampedusa, der zur Zeit wohl symbolträchtigsten Grenze Europas, aufgehalten und beobachtet, wie hier tagtäglich Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein bessere Leben ankommen, und wie die Bevölkerung auf sie reagiert. Im Zentrum des Films, der sich auch mit der medialen Berichterstattung auseinandersetzt, steht der zwölfjährige Samuele, der mit seiner Familie Zeuge einer der größten menschlichen Tragödien unserer Tage wird.

Die neue Dokumentation von Gianfranco Rosi, der für sein etwas anderes Städteporträt “Das andere Rom” auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Wieder zeichnet der sozialpolitisch engagierte italienische Filmemacher für Regie, Buch, Kamera und Ton verantwortlich, erneut verwebt er viele kleine Geschichten zu einem großen Ganzen. Entstanden ist so ein brisantes, anrührendes Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik sowohl spür- als auch begreifbar macht.
 

Toni Erdmann


 
Spielfilm, Deutschland, Österreich u.a. 2016
Regie Maren Ade
Darsteller Sandra Hüller, Peter Simonischek, Michael Wittenborn

Meisterhafte, ungewöhnliche Tragikomödie um eine Karrierefrau, die wieder lernen muss ihren Vater und ihr eigenes Leben zu lieben.

Ganz spontan besucht Winfried seine Tochter Ines in Bukarest, wo diese als Unternehmensberaterin arbeitet. Man hat sich wenig zu sagen, der Besuch läuft aus dem Ruder. Da überrascht der Vater sie mit seiner Verwandlung in Toni Erdmann. Er taucht mit schiefem Gebiss, wilden Klamotten und gefärbten Haaren bei ihr auf. Ines ist wie vor den Kopf geschlagen – doch dann machen die beiden eine verblüffende Entdeckung: Je härter sie einander zusetzen, desto enger rücken sie zusammen.

Der dritte Spielfilm von Maren Ade, die 2009 mit ihrem Beziehungsdrama “Alle Anderen” den Großen Preis der Berlinale gewann. Auch bei dieser Groteske stehen die Zeichen wieder auf einem Mix aus Ernst und Humor, wenn im ersten deutschen Wettbewerbsbeitrag nach sieben Jahren – Michael Haneke gewann 2009 für “Das weiße Band” die Goldene Palme – Peter Simonischek als sozialromantischer Alt-68er und Sandra Hüller als seine Arbeitsplätze vernichtende Tochter wuchtig aufeinandertreffen.