Jetzt im Kino

Desire Will Set You Free – Heute im About Blank


 
Regie: Yony Leyser
Darsteller: Yony Leyser, Tim Fabian Hoffmann, Chloé Griffin

Ein amerikanischer Schriftsteller mit israelisch-palästinensischen Wurzeln und ein homosexueller Flüchtling aus Russland begeben sich zusammen auf eine wilde Reise durch die Underground-Szene Berlins. Dabei tingeln sie von Club zu Club, nehmen diverse Drogen, treffen Szenegrößen, geraten in Streits, lieben sich und feiern letztlich das Leben in vollen Zügen.

Regisseur Yony Leyser realisierte 2010 die Dokumentation “William S. Burroughs: A Man Within”. Dieses Mal entfernt er sich von den engen dokumentarischen Regeln und vermischt Fiktives mit Autobiografischem. Weitestgehend an Originalschausplätzen gedreht ist der Film auch ein Porträt bald verschwundener Tempel der Untergrundszene Berlins. Daneben treten auch viele reale Szenengrößen als sie selbst, oder in fiktiven Rollen auf, wie etwas Nina Hagen, Rosa von Praunheim und Peaches.
 

Wiener Dog (OmU)


 
Spielfilm, USA 2016
Regie Todd Solondz
Darsteller Danny DeVito, Greta Gerwig, Ellen Burstyn

Skurrile Episoden-Ensemble-Komödie, in der ein Hund von einem Besitzer zum nächsten wechselt.

Als Welpe kommt ein Dackel zu einem neunjährigen Jungen und erfreut dessen Leben zwischen streitenden Eltern und Designer -Möbeln. Als er aber dem Hund etwas Falsches zu essen gibt, wird dieser krank und zum Tierarzt zum einschläfern gebracht. Doch dessen Assistentin rettet ihn und bringt ihn nach einer Odyssee zu einem Ehepaar, das ein bisschen Trost durch den Hund vertragen kann. Danach landet der tierische Held bei einem gescheiterten und gealterten Drehbuchautor, der mittlerweile an einer Filmhochschule lehrt, von den Studenten aber nicht ernst genommen wird. Die letzte Station des Dackels ist die im Pflegeheim wohnende und verbitterte Nana, die ihm kurzerhand “Krebs” tauft.

Als eine Art Lebenszyklus des Dackels hat Regisseur Todd Solondz seinen Episodenfilm angelegt. Dabei fällt sein Blick auf die amerikanische Gesellschaft zwar weniger ätzende aus, als zum Beispiel noch in seinem gefeierten “Happiness” von 1998. Wirklich altersmilde ist die New Yorker Indie-Ikone aber auch fast zwanzig Jahre später noch nicht. Weiterhin sorgt er mit Freude dafür, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Dabei funktioniert nicht jede Episode gleichermaßen und auch ein rundes Ganzes mag sich nicht wirklich ergeben. “Wiener-Dog” kann sich aber auf den unnachahmlichen Solondz-Ton und den Blick des Regisseurs für skurrile Momente, sowie auf eine grandiose Darstellerriege verlassen.
 

Seefeuer


 
Dokumentarfilm, Italien, Frankreich 2016
Regie Gianfranco Rosi

Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik am Beispiel von Lampedusa spür- und begreifbar macht.

Über ein Jahr lang hat sich der Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi auf der italienischen Insel Lampedusa, der zur Zeit wohl symbolträchtigsten Grenze Europas, aufgehalten und beobachtet, wie hier tagtäglich Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein bessere Leben ankommen, und wie die Bevölkerung auf sie reagiert. Im Zentrum des Films, der sich auch mit der medialen Berichterstattung auseinandersetzt, steht der zwölfjährige Samuele, der mit seiner Familie Zeuge einer der größten menschlichen Tragödien unserer Tage wird.

Die neue Dokumentation von Gianfranco Rosi, der für sein etwas anderes Städteporträt “Das andere Rom” auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Wieder zeichnet der sozialpolitisch engagierte italienische Filmemacher für Regie, Buch, Kamera und Ton verantwortlich, erneut verwebt er viele kleine Geschichten zu einem großen Ganzen. Entstanden ist so ein brisantes, anrührendes Zeitdokument, das die weltweite Flüchtlingsproblematik sowohl spür- als auch begreifbar macht.